Digitales Vermächtnis

Was passiert mit meinen Daten nach dem Tod? (WhatsApp, Google, Apple, Instagram & Facebook)

Zuletzt aktualisiert: 2026-07-24 · 2 Min. Lesezeit

Kurze Antwort: Ohne Vorsorge bleiben deine Konten bestehen — unerreichbar für deine Angehörigen, aber online. E-Mails laufen auf, Abos buchen weiter ab, Profile existieren als digitale Geister. Die gute Nachricht: Die großen Plattformen haben inzwischen Vorsorge-Funktionen, und die deutsche Rechtslage ist seit 2018 geklärt. Hier der Überblick — Plattform für Plattform.

Die Rechtslage in Deutschland: Konten sind vererbbar

Der Bundesgerichtshof hat 2018 in einem Grundsatzurteil (III ZR 183/17, „Facebook-Urteil") entschieden: Der Vertrag mit einem sozialen Netzwerk geht auf die Erben über — wie Briefe und Tagebücher auch. Erben haben also grundsätzlich Anspruch auf Zugang zum Konto. In der Praxis heißt das trotzdem: Formulare, Sterbeurkunde, Erbschein, Wartezeit. Wer seinen Angehörigen das ersparen will, richtet die Vorsorge-Funktionen zu Lebzeiten ein.

Google: Kontoinaktivität-Manager

Google bietet die sauberste Lösung: Im Kontoinaktivität-Manager (myaccount.google.com → Daten & Datenschutz) legst du fest, nach wie vielen Monaten Inaktivität (3–18) bis zu zehn Vertrauenspersonen benachrichtigt werden und auf welche Daten (Gmail, Fotos, Drive …) sie Zugriff erhalten — oder ob das Konto komplett gelöscht wird. Einrichtung: 10 Minuten. Ohne diese Einstellung müssen Angehörige den Zugang mit Sterbeurkunde beantragen; Google entscheidet dann im Einzelfall.

Apple: Digitaler Nachlass (Nachlasskontakt)

Apple erlaubt seit iOS 15.2, einen Nachlasskontakt zu bestimmen (Einstellungen → [dein Name] → Anmeldung & Sicherheit → Digitaler Nachlass). Die benannte Person erhält einen Zugangsschlüssel und kann später mit Schlüssel plus Sterbeurkunde auf iCloud-Daten (Fotos, Notizen, Nachrichten-Backups) zugreifen. Wichtig: Ohne eingerichteten Nachlasskontakt ist der Zugang zu einem gesperrten iPhone praktisch aussichtslos — Apple entsperrt Geräte auch für Erben nicht ohne Gerichtsbeschluss.

Facebook & Instagram (Meta): Gedenkzustand oder Löschung

Bei Facebook kannst du zu Lebzeiten einen Nachlasskontakt bestimmen (verwaltet das Profil im Gedenkzustand: Titelbild, Beiträge anpinnen — aber keine Nachrichten lesen) oder die automatische Löschung nach dem Tod wählen. Instagram kennt den Gedenkzustand ebenfalls („Remembering …"-Badge), aber keinen Nachlasskontakt mit Verwaltungsrechten; Angehörige können Gedenkzustand oder Löschung mit Nachweis beantragen. Ohne Vorsorge entscheidet, wer zuerst ein Formular ausfüllt.

WhatsApp: keine Vorsorge-Funktion

WhatsApp bietet keinen Nachlasskontakt und keinen Gedenkzustand. Angehörige können mit Sterbeurkunde die Löschung des Kontos beantragen; nach 120 Tagen Inaktivität werden Konten ohnehin gelöscht. Die Chats selbst liegen nur auf dem Gerät bzw. im Backup (Google Drive/iCloud) — der Zugang hängt also faktisch am Geräte- bzw. Cloud-Zugang (siehe Google/Apple oben). Wer bestimmte Chats bewahren will, exportiert sie zu Lebzeiten selbst.

Der blinde Fleck: Zugang ist nicht dasselbe wie Bedeutung

Selbst wenn deine Erben irgendwann in alle Konten kommen, finden sie dort vor allem: Masse. Zehntausende Fotos ohne Kontext, Chats ohne Einordnung, keine Antworten auf die eigentlichen Fragen — Was hast du dir dabei gedacht? Was war dir wichtig? Was wolltest du uns sagen? Der Zugang zu Daten ersetzt kein Vermächtnis. Deshalb lohnt neben der technischen Vorsorge (oben) die persönliche: die eigene Geschichte bewusst festhalten, mit klarer Regelung, wer sie wann lesen darf — wie das geht, steht hier, und genau dafür haben wir Perrenix gebaut.

Checkliste: In 30 Minuten vorgesorgt

  1. Google Kontoinaktivität-Manager einrichten (10 Min.)
  2. Apple Nachlasskontakt bestimmen (5 Min.)
  3. Facebook: Nachlasskontakt ODER Löschung wählen (5 Min.)
  4. Eine Vertrauensperson wissen lassen, WO diese Regelungen existieren (5 Min.)
  5. Beginnen, das Eigentliche festzuhalten — die erste Frage in Perrenix beantworten (5 Min.)

Häufige Fragen

Dürfen meine Erben meine E-Mails und Chats lesen?

Rechtlich in Deutschland: grundsätzlich ja — digitale Konten sind nach dem BGH-Urteil von 2018 vererbbar wie Briefe. Praktisch entscheidet der technische Zugang. Wer Bereiche privat halten will, sollte das aktiv regeln (z. B. Löschung verfügen oder Dienste nutzen, die granulare Sichtbarkeit erlauben).

Was passiert mit einem Google-Konto ohne Vorsorge?

Angehörige können mit Sterbeurkunde einen Antrag stellen; Google prüft im Einzelfall und gewährt keinen Vollzugriff, sondern höchstens Datenherausgabe oder Löschung. Der Kontoinaktivität-Manager macht daraus einen definierten, von dir kontrollierten Prozess.

Kann ich verfügen, dass alles gelöscht wird?

Weitgehend ja: Facebook bietet die automatische Löschung, Google die Löschoption im Inaktivitäts-Manager; für andere Dienste hilft eine schriftliche Verfügung an die Erben. Hundertprozentige Garantien gibt es bei verteilten Daten (Backups, Kopien bei anderen) nicht.

Unterscheidet sich das vom „digitalen Vermächtnis"?

Ja: Hier ging es um den digitalen **Nachlass** — Konten, Zugänge, Verwaltung. Das digitale **Vermächtnis** ist das Persönliche, das du bewusst hinterlässt. [Den Unterschied erklären wir hier ausführlich.]

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