Philosophie-Serie · Teil 3 von 12

Nietzsche: Werde, der du bist – und wer verwaltet deinen Nachlass?

Zuletzt aktualisiert: 2026-09-26 · 2 Min. Lesezeit

Friedrich Nietzsche stellte eine der radikalsten Fragen der Philosophie. Und sein eigenes Schicksal zeigt, wie verletzlich das ist, was wir hinterlassen. Teil 3 unserer Philosophie-Serie.

Die ewige Wiederkunft

In der „Fröhlichen Wissenschaft“ (1882) erzählt Nietzsche von einem Dämon, der dir eines Nachts sagt: Dieses Leben, wie du es jetzt lebst, wirst du noch einmal und noch unzählige Male leben müssen. Jeder Schmerz, jede Lust, jeder Gedanke kehrt wieder, in derselben Reihenfolge.

Würdest du den Dämon verfluchen? Oder würdest du sagen: Nie hörte ich Göttlicheres?

Die Frage ist ein Prüfstein. Lebe so, dass du dieses Leben wieder wollen könntest. Nietzsche nannte die Haltung dahinter „amor fati“, die Liebe zum eigenen Schicksal.

Wie man wird, was man ist

Kurz vor seinem geistigen Zusammenbruch schrieb Nietzsche 1888 „Ecce homo“, eine Art Selbstporträt mit dem Untertitel „Wie man wird, was man ist“. Er war überzeugt, dass seine Zeit noch nicht gekommen war. Einige, so schrieb er, werden posthum geboren.

Was dann geschah

Anfang 1889 brach Nietzsche zusammen. Bis zu seinem Tod 1900 konnte er nicht mehr arbeiten. Seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche übernahm die Kontrolle über seinen Nachlass. Sie gründete das Nietzsche-Archiv, stellte aus seinen Notizen das Buch „Der Wille zur Macht“ zusammen und prägte ein nationalistisches, antisemitisches Bild ihres Bruders – obwohl er selbst den Antisemitismus scharf abgelehnt hatte. Später suchte sie die Nähe der Nationalsozialisten.

Erst die kritische Gesamtausgabe von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, die ab 1967 erschien, machte Nietzsches Texte wieder so zugänglich, wie er sie geschrieben hatte.

Die logische Konsequenz

Nietzsche hinterlässt zwei Lehren.

Die erste: Lebe so, dass du Ja sagen kannst. Dafür muss man wissen, was man eigentlich will. Regelmäßige, ehrliche Reflexion ist der Weg dorthin.

Die zweite: Überlass dein Vermächtnis nicht dem Zufall oder dem, der gerade Zugriff hat. Halte in deinen eigenen Worten fest, was du denkst. Und entscheide selbst, wer es wann lesen darf. Sonst erzählen andere deine Geschichte – womöglich eine, die du nie erzählt hättest.

Drei Fragen zum Weiterdenken

  1. Würdest du dein jetziges Leben noch einmal genauso leben wollen?
  2. Was an dir wird von anderen oft missverstanden?
  3. Wem würdest du deine Aufzeichnungen anvertrauen – und wem auf keinen Fall?